Alles ist anders…

. . . und dann kam er, der Moment wo es Richtung Flughafen Sydney ging und 9 Monate reisen einfach zu Ende gehen. Selbst am Flughafen in Sydney war alles noch kurz vorm Abflug in Richtung Heimat mehr als unrealistisch. Ich saß da, mit Tränen in den Augen und die ganzen 9 Monate verliefen bildlich vor meinen Augen, wie in meiner eigenen Kinovorstellung ab. So fühlt man sich also wenn eine große Reise oder ein alter Lebensabschnitt zu Ende geht, dachte ich mir.

Meine Gefühle spielten Achterbahn und ich konnte nichts dagegen unternehmen, außer einfach diesen Ritt zu genießen egal wie er ausgehen würde. Ein hoch und runter und aussteigen war definitiv unmöglich. Also lies ich alles zu bzw. ich versuchte es. Fragt mich nicht wie ich diesen 24h Flug überstanden hab. Ich weiß es selber nicht, aber als ich in München gelandet bin fiel alles von mir ab. Der Moment aus dem Flughafen Terminal zu gehen, zu sehen wie sich die Türen öffnen und man seine eigene Familie wieder sieht nach so einer langen Zeit – ein unbeschreibliches Gefühl. Meine Mama lief mir entgegen, genauso wie ich zu ihr und wir hielten uns fest und weinten wie Schlosshunde. Überwältigend einfach. Als dann noch meine Freunde aus dem Auto mit einem Plakat ausstiegen war für mich die Welt perfekt. So fühlt es sich an Zuhause zu sein. Ich kann es nicht beschreiben, aber Familie ist Zuhause und das trifft es einfach perfekt.

 

Aber die “Realität” setzt genau dann ein, wenn man es am wenigsten erwartet. Alles ist anders. Die Umgebung hat sich in 9 Monaten verändert, genauso wie die eigenen Menschen um dich herum. Ich wollte mich auf dieser Reise verändert um mich auch selber zu finden und die Menschen zu Hause haben genauso ihr eigenes Leben natürlich weitergelebt um ihre Ziele und Träume weiter zu verfolgt auch wenn es bedeutet, dass die ohne dich stattfindet. Und wenn die “Realität” – (ich schreibe es bewusst in diesen Klammern, da ich auch beim Reisen die Realität hatte aber eine andere vergleichbar zu meinen alten Alltag), wieder einsetzt haut es einen erstmal um. Es sind jetzt genau zwei Wochen seitdem ich gelandet bin und ich muss sagen das Leben hier ist anders für mich geworden. Ich sehe viele Dinge anders, gerate schnell mit Leuten aneinander wegen meiner offenen Art / Ehrlichkeit und vor allem Hilfsbereitschaft. Diese Ehrlichkeit und Hilfsbereitschaft, die ich in den ganzen anderen Ländern sehr geschätzt habe stoßt hier bei den meisten Menschen in Deutschland nicht auf gute Ohren. Deutschland ist eine Gesellschaft, die viel unter den Hausteppich kehrt, keiner redet mehr über seine Gefühle, alles wird verschwiegen oder in sich hineingefressen, Ehrlichkeit wird abgetan, jeder ist fixiert auf ein Konkurrenzdenken – immer höher schneller und weiter. Hauptsache die Karriereleiter weiter hochsteigen und sich über Luxusprobleme aufregen oder über Kleinigkeiten weil man sonst nichts besseres zu tun hat. In den meisten Ländern wo ich war wurde immer gelächelt, also wirklich gelächelt und genauso fand man diese Freundlichkeit wieder.

 

Ein absoluter Schock für mich, ich habe 23 Jahre es nie so wirklich wahrgenommen. Natürlich vor meiner Reise wusste ich, ich wollte damit aus dieser Gesellschaft ausbrechen aber davor war ich komplett blind. Ich war Genauso wie viele hier – ging durch mein Leben um besser zu sein als andere, dachte mir Sachen aus um besser dazustehen aus Angst verurteilt zu werden wenn man nicht mithalten kann. Das Erschreckende daran ist eigentlich wirklich, dass es jeder macht. Notlügen erfinden um sich besser darzustellen obwohl wir gut sind so wie wir sind. Und nun stehe ich hier  und frage mich wie kann man am Besten damit anfangen anderen auch diese Seiten & alten Werte aufzuzeigen, die man selber entdeckt hat und die so viel wichtiger im Leben sind als das hier was uns immer durch TV, Media, Instagram etc. vermittelt wird. Eine Aufgabe, die ich mir die nächsten Tage oder Wochen jeden Tage stellen werde um den bestmöglichen Weg für mich zu finden…..

 

 

 

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