EAT. PRAY. LOVE or EAT. MEDITATE. SLEEP

… Falls ihr hier seid um eine typische Julia Roberts Geschichte zu hören, wie ihr sie vielleicht in Eat Pray Love gesehen habt, muss ich euch vorab schon einmal enttäuschen. Diese Erwartung kann ich leider nicht erfüllen auch wenn es sehr viele Parallelen zu meiner Geschichte gibt. Was ich euch aber stattdessen geben kann ist ein Einblick in eine fremde Kultur und in meine Erfahrung, die ich in dieser einen Woche im Meditationscamp gemacht habe. Ich kam ohne Erwartungen da hin. Ich wollte meinen inneren Frieden finden, meine innere Mitte. Diesen Frieden und auch Antworten auf meine Probleme, die mir durch den Kopf seit den letzten Wochen oder Monaten schwirrten.

Zunächst solltet ihr wissen, dass ich kein Mensch bin der von vornherein jemand ist der Meditiert, Yoga macht oder sich viel mit dem Buddhismus beschäftigt hätte in seiner Vergangenheit. Schade eigentlich wie ich mittlerweile denke, aber früher hielt ich es für totalen Humbug sowas überhaupt zu praktizieren. Ich hatte schon des öfteren Meditation- oder Yogaklassen im Fitnessstudio besucht, doch war ich immer zu hibbelig um mich überhaupt mal mehr als 10 Minuten still zu halten. Somit müsst ihr wissen so ein Meditationscamp war für mich etwas was mich aus meiner Komfortzone bringen sollte. Ich war oft genug in meiner Komfortzone Zuhause und wollte diesmal wirklich etwas machen, was mich nicht nur aus ihr raus bringt sondern wo es auch ausschließlich einmal auch um mich geht.Ein Meditationscamp, dass sich nicht nur mit Meditieren beschäftigt sondern ihr werdet gebeten in dieser Woche nicht zu reden und zu schweigen. 7 Tage Schweigen, mit seinen Gedanken alleine konfrontiert sein klingt an sich für einige ziemlich einfach. Um ehrlich zu sein, ich dachte es. Mein Gott, ich würde schon 7 Tage ohne reden durchhalten, konnte ja nicht so schwer sein, dachte ich. Schlussendlich waren es die härtesten 7 Tage in meinen ganzen Leben. Ich wollte schreien, ich wollte explodieren und ich wollte reden. Reden mit Leute im Camp, reden mit den Menschen die Draußen waren und ihnen meine Probleme oder Gedanken mitteilen. Am Ende wurden es keine Gespräche mit Leuten von Außerhalb sondern 100 Seiten in mein Notizbuch. Alles wurde niedergeschrieben. Meine Gedanken, meine Stärken, meine Schwächen, meine Fehler. Ich habe über so vieles nachgedacht. Angefangen von der Kindheit bis hin zu meinen ganzen Beziehungen zu meiner Familie, Freunden und Partnern.

Somit kommen wir zum Meditationscamp selbst, dass sich auf einen Berg mitten in Koh Saumi am Lamai Beach befindet. Dieses Camp wird von den Spenden die jeder Teilnehmer am Schluss spenden kann am Leben erhalten.  Also ja, dieses Camp ist kostenlos. Ihr habt eine Unterkunft nahe der Meditationshalle und bekommt zweimal am Tag zu Essen und Abends gibt es Tee mit Bananen.

Ein Ablauf vom Tag gestaltet sich also so:

04:30 Aufstehen

05:00 Morgenlesung

05:45 Yoga

07:00 Sitzmeditation

07:30 Frühstück

09:30 Dhamma Gespräch

10:30 Stehmeditation / Gehmeditation

11:00 Sitzmeditaion

11:30 Mittagessen

14:00 Meditationsinstruktionen & Sitzmeditation

15:00 Stehmeditation / Gehmeditation

15:30 Sitzmeditation

16:00 Stehmeditation / Gehmeditation

16:30 Singen & Meditation

17:30 Tee

19:30 Sitzmeditation

20:00 Gruppengehmeditation

20:30 Sitzmeditation

21:00 Schlafenszeit

Ihr seht also, ein straffer Zeitplan. Insgesamt seid ihr 17 Stunden am Tag auf den Beinen. Davon verbringt ihr 11 Stunden beim Meditieren und 7 Stunden davon wird geschlafen. Natürlich können die zweistündigen Pausen in euerer Freizeit dafür genutzt werden eueren Schlaf nachzuholen oder ihr beschäftigt euch mit eueren Gedanken. Im Worst Case Szenario wäscht ihr einfach euere Wäsche oder geht oft Duschen um den Gedanken für einen kurzen Moment zu entfliehen. Die Betten in der Unterkunft sind minimalistisch gehalten. Wer also glaubt auf Luxusbetten zu treffen ist leider da falsch. Holzbetten mit Holzkissen sind Grundausstattung in solchen Retreats. Man sollte nämlich dadurch lernen mit den einfachsten Sachen im Leben auszukommen. Für mich persönlich, war es eher schwierig mich wieder in eine Routine einzufinden . Einen Tagesablauf zu haben, wenn man davor über 7 Monate nach Frei Schnauze gelebt hat.

Nun müsst ihr es euch also so vorstellen. Ihr seid da und versucht Anfangs immer eine halbe Stunde richtig zu sitzen. Einen aufrechten Sitz sowie trotzdem eine entspannte Haltung einzunehmen fürs das eigentliche Meditieren. Es ist viel leichter gesagt als getan, da wir meistens eher sehr unruhig nach einer gewissen Zeit werden. Euch werden dann aber verschiedene Alternativpositionen zum Ausweichen geboten, um es euch so bequem wie möglich zu gestalten. Nachdem ihr also die Sitzposition jeden Tag mehr verinnerlicht, geht es daran im Stillen der Natur und seinen eigenen Gedanken oder seiner Atmung zu lauschen.

Einatmen….Ausatmen….Einatmen….Ausatmen….

Wieder eine Sache, die man richtig lernen muss. Die Atmung ist eigentlich neben der Sitzposition DER wichtigste Teil. Den dadurch gleitet ihr nach einiger Zeit in einen Zustand, wo ihr irgendwann ein Bild vor euch habt. Ein Bild, das sich ständig wechselt, euch aber in eine höhere Phase des Verstandes bringen sollte. Für mich war das der schwierigste Teil. Durch meine vier Monate in Neuseeland, in der Natur und Abends im Auto kannte ich die Stille schon, aber habe mich nie wirklich in dieser Zeit damit beschäftigt mit einer gewissen Atmung in einen anderen Zustand zu gleiten.

Hier war ich also, im Schneidersitz sitzend am Ein- und Ausatmen.

Fragte mich des Öfteren was ich den hier zur Hölle mache. Fragte mich, wieviel Zeit schon vergangen sei. 1 Minuten lang mit seinen Gedanken zu sein, kann sehr lange sein. Kann der Ventilator nicht leiser sein. Diese verdammten Grillen zirpen ja ständig. Wieso konzentriere ich mich nicht einfach. Und und und…

Früh bemerkte ich auch, dass mir selber die Position nach einer gewissen Zeit zu unbequem wurde und meine Konzentration zu schwinden begann. Ich bekam zwar nach dem dritten Tag ein Bild in meinen Kopf zu fassen aber dieses Bild entgleitete mir ständig nach gefühlten fünf Minuten. Leider versuchte ich dann verzweifelt dieses Bild immer und immer wieder heraufzubeschwören. Das war mein erster Fehler. Meine Konzentration wurde durch Enttäuschung ersetzt. Und die Enttäuschung durch Verzweiflung. Die Gedanken fingen an zu kreisen. Alles prasselt auf einen Nieder. Und wenn ich sage alles, dann meine ich alles. Ihr werdet mit all eueren Schwächen und Fehlern konfrontiert und hinterfragt und zweifelt an euch selber. Etwas, was durch das Schweigen noch verstärkt wurde. Fehler, die ihr als Jugendliche gemacht habt. Fehler, die vor Kurzem stattgefunden haben. Entscheidungen, die ihr gemacht habt werden hinterfragt. Ihr selber, reflektiert euch von unten bis oben. Ich wollte reden, meine Sachen herausschreien, sie jemanden mitteilen. Und irgendwann explodiert ihr und tut es auch, was mein zweiter Fehler war. Zwar nur für eine kurze Zeit aber ihr tut es. Danach fing ich an all meine Gedanken aufzuschreiben. Mich schwarz auf weiß mit meinen Fehlern und den ganzen anderen Sachen auseinander zusetzen, die mich beschäftigten. Ich schrieb mir alles von der Seele und füllte insgesamt 100 Notizseiten damit. Ich füllte sie nicht nur mit meinen Ängsten sondern auch mit positiven Motivation Reden, die an mich selbst gerichtet waren. Auch fing ich wieder an zu zeichnen. Etwas was ich seit meinen Studium bzw. vor meinen Studium irgendwie aufgehört habe zu machen oder nur noch selten tat. Ich drückte also alle meine Gefühle auf dem Papier aus. Ihr könnt mir glauben, ich habe in meinen ganzen Leben mich noch nie so sehr mit mir selbst beschäftigt wie in diesen Tagen. Ihr müsst selber euch jeden Tag motivieren, mehr positiver denken und einfach mehr werden. Mehr in dem Sinne, euch vorzubereiten, dass ihr euch auch verändert. Und ich kann euch garantieren ihr werdet euch verändern. Eine andere Sichtweise auf bestimmte Situationen und Dinge bekommen.

Hier mal ein privater Ausschnitt aus meinen Notizbuch, was ich gerne erreichen möchte.

Wie ihr selbst seht geht es mehr darum sein eigenes Glück zu finden. Dieses Glück oder wie manche sagen, das “totale Glück”, könnt ihr nur in euch selber finden. Ihr erreicht dieses Glück nur wenn ihr selber an euch arbeitet – Jeden einzelnen Tag!

Jetzt fragen sich einige sicherlich, Schön und gut Christine aber hat es dich wirklich verändert? Ja hat es! Auch wenn ich großteils schon viel in Neuseeland über mich gelernt habe, hat mich dieses Retreat, diese Zeit, die ich da verbracht habe noch mehr zu dem gemacht wer ich eigentlich wirklich sein will und eigentlich auch schon immer bin und war. Und darum geht es ja, sich selber zu finden, das wahre ICH.

 

Letzenendes kam ich zu der Überzeugung, dass es etwas gibt wie die Physik der Suche. Eine Kraft in der Natur, die von so realen Gesetzen regiert wird, wie das Gesetz der Schwerkraft. Das erste physikalische Gesetz der Suche lautet ungefähr so: wer mutig genug ist alles vertraute und wohltuende hinter sich zu lassen, egal was, vom Haus bis zu alten Verletzungen und sich auf die Suche der Wahrheit macht, seis nach Innen gewand oder Außen. Und wer wahrhaft gewillt ist, alles was ihm auf der Reise passiert als Schlüssel zu betrachten und jeden der ihm unterwegs begegnet als Lehrer zu akzeptieren, und vor allem der dazu bereit ist sich unangenehmen Realitäten, die einen selbst betreffen, zu stellen und diese zu verzeihen, dem wird sich die Wahrheit offenbaren.

 

 

Link zum Mediationscenter findet ihr hier.

 

 

 

2 comments

  1. Reisesatt…

    […] zweite Wandlung erlangte ich im Meditationsretreatment in Thailand. In diesen 7 Tagen lernte ich nicht nur mich mehr kennen, sondern ich musste lernen […]

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  2. Happy mind, Happy life – Meine Reise

    […] eingesperrt zu sein kann schon an einen Nagen und es ist eine andere Geschichte die ihr gerne HIER nachlesen könnt. Nach diesen Tagen merkte ich wirklich, wie viel wert ich mir selber eigentlich […]

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