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Well you look like yourself
But you’re somebody else
Only it ain’t on the surface
Well you talk like yourself
No, I hear someone else though

 

Depressionen werden oft in unserer Gesellschaft abgetan. Laut neusten Studien betrifft es mehr als 322 Millionen Menschen weltweit, in Deutschland sogar rum 4,1 Millionen.

Doch wie ist es für die Freunde, den Partner oder sogar für die Familie? Darüber wird meistens nicht explizit geredet. Wieso auch? Uns, auf der anderen Seite geht es bestens – leider trifft dies nicht zu. Natürlich kann man sich als Angehöriger Tipps überall im Internet holen, wie man mit einem geliebten Menschen mit Depressionen umzugehen hat – aber in der Realität gestaltet sich alles anders. Die Depression betrifft auch immer die Menschen um den Erkrankten herum, insbesondere die nächsten Angehörigen. Anfangs merkt man nichts von den Veränderungen des Gegenübers, da meistens viele Faktoren auf denjenigen einwirken und man selbst nicht wirklich auf die Symptome achtet. Stress, Druck und alles was im Alltag passiert könnten eine mögliche Ursache für das komische Verhalten des Gegenübers sein. Jedoch nach einiger Zeit fällt auf, wie der geliebte Mensch aufhört zu lächeln, er zieht sich vor einem zurück und ist nicht mehr motiviert sein Leben zu meistern. Dieser Moment zwischen dem ersten Verlust des Lächelns bis zur vollkommenen Abschottung geschieht binnen kürzester Zeit und man selbst versteht die eigene Welt nicht. Man hat auf einmal einen ganz anderen Menschen vor sich. Ein Mensch, der früher die Freude in Person war, die sich in jedes Abenteuer gestürzt hat, ist auf einmal eine zurückgezogene und stille Person und ab diesen Moment beginnt eigentlich die große und entscheidende Reise.

Ich sage bewusst entscheidend und groß, da sich es ins Positive oder ins Negative auswirken kann. Beides ist möglich aber ohne Hilfe in Form von Gruppen, Therapeuten oder Psychologen wird man da als Angehöriger nicht viel bewirken oder schaffen können. Die Grenze zwischen der Nähe zur Person und der Neutralität geht hier verloren. Aber zurück zum obigen Thema. Fallen die ersten Symptome auf, ist man als außenstehende Person erstmal selbst überfordert. Man ist für denjenigen immer da, man leidet und hofft mit ihnen mit, aber viel zu oft fühlt man sich am Schluss auch allein gelassen.  Durch Aufmunterungsversuche versucht man dem Gegenüber aus seiner Starre und seinen Gedankengängen zu befreien. Es gibt dann die Momente, wo man den Anderen für einige Stunden oder Tage sogar aufgebaut hat, bis dann das nächste Tief kommt und der Teufelskreis von vorne beginnt.

Doch wie so oft, da man sich in die Situation desjenigen nicht hineinversetzten kann, nicht dasselbe  durchlebt und fühlt wie dieser – geht der Versuch nach hinten los. Ab diesem Moment bräuchte man selbst jemanden, der einen ermuntert oder wiederaufbaut. Dieser Punkt gestaltet das gemeinsame Leben oder die Freundschaft ziemlich schwierig. Der eine Part versucht glücklich zu sein und überall zu helfen und der Andere zieht sich mehr und mehr zurück. Man fühlt sich unverstanden und versteht die Welt nicht mehr. In einer Hinsicht fühlt es sich so an, als ob man sein Leben dem finsteren Loch der Depression opfert und am Ende erntet man doch – viel zu oft nur Undank. Alles und ich meine wirklich alles dreht sich nur um die Depression. Jedes Augenverdrehen, jeder leere Blick des Gegenübers wird registriert. Es ist wie ein Teufelskreis, der morgens bis abends andauert. Die Gedanken drehen sich nur darum, wie man am besten helfen könnte. Wälzt sich nachts hin und her, weil die Gedanken nicht stoppen wollen. Egal wie sehr man recherchiert, Meinungen einholt, mit Freunden redet, man wird trotz allem immer wieder mit in den Strudel von Hoffnungslosigkeit, Motivationslosigkeit und Resignation hineingezogen. Sozusagen ein Leben auf Abruf. Man selbst führt eine Paralleldepressivität, gegen die man selbst ständig neben der eigentlichen Depression des Anderen ankämpfen und stark sein muss. Stell euch einen Kaktus vor dem ihr Nahe sein wollt. Aber wenn ihr euch in seine Richtung bewegt, erwischen euch die Stacheln selbst und ihr müsst sofort den Rückzug antreten um nicht selbst den Verletzungen ausgesetzt zu sein.

Die Wahrheit ist: Menschen, die mit ihren Gedanken und Gefühlen in eine Depression gehen sind auf ihren Weg allein. Man kann sie bis zu einem bestimmten Grad begleiten, da sie nur mit sich selbst und ihrem Weg beschäftigt sind. Als Angehöriger fühlt man sich ab diesen Teil machtlos, weil innerlich übernimmt man die Verantwortung, um zu helfen, aber dann hat man selbst Schwierigkeiten damit, wenn sich die Fortschritte nicht so zeigen wie erwartet. Wie auch! Man selbst kann sich nur schwer in die andere Perspektive hineinversetzen. Gedanken wie: „Man bräuchte doch nur oder man müsste doch nur ein wenig mehr von dem machen“, sind keine Einzelfälle. Ein Gedanke, denn man laut dem Internet nie laut aussprechen kann, da sich der Depressive dann noch mehr verloren fühlt. Ja, er fühlt sich sicher verloren, aber selbst kann man einfach nicht anders denken, da man sich auch verloren und hilflos fühlt. Somit haben zwar am Schluss beide Parteien aus ihrer Sicht recht, aber keine versteht wirklich die Position des Gegenübers. Und so lässt sich eine aufkommende Situation nicht aufklären und zurückbleibt nur der fade Geschmack des sich unverstanden Fühlens.

Wenn man an diesen Punkt angelangt ist, wo die eigene Hilfe nicht mehr viel ausrichtet, man selbst nicht mehr aus dieser Paralleldepressivität rauskommt und man selbst sich an die erste Stelle setzen sollte, dann ist das ein Zeichen davon denjenigen gehen zu lassen. Die Wege die wir bestreiten kann man leider nicht immer zu Zweit gehen. Ja, man will helfen, man will da sein aber ein gutes Sprichwort sagt: ” Es darf, wer anderen hilft, nicht sich selbst vergessen; es darf nicht fallen, wer andere aufrichtet.” 

 

 

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